In den großen amerikanischen Sportligen werden jedes Jahr mehrere Milliarden Dollar umgesetzt. Bei den einzelnen Clubs handelt es sich um Multimillionen-Dollar-Unternehmen mit einem Präsidenten, Vorständen und einer klassischen amerikanischen Unternehmensstruktur. Doch glaubt man dem Journalisten Colin Cowherd, ist eine Position meist unbesetzt. Es gibt keinen “Vice President of Common Sense”.

Eine Position, die es eigentlich in jedem Unternehmen geben sollte.

Hintergrund

Vor einigen Wochen habe ich mir einen Beitrag des amerikanischen Sportmoderators Colin Cowherd angesehen, in dem er sehr engagiert den “Vice President of Common Sense” für jeden großen Sportverein fordert, um in Zukunft millionenschweren Fehlentscheidungen, wie sie in den letzten Jahren getroffen wurden, zu vermeiden.
Er nennt in seiner Sendung mehrere Gründe für solche Fehlentscheidungen.

  • Organisationen neigen dazu, die Fähigkeiten der eigenen Leute überzubewerten.
  • Beziehungen und Abhängigkeiten innerhalb der Firma beeinflussen Entscheidungen in vielen Fällen negativ
  • Entscheidungsträger sind häufig zu stark involviert und nicht in der Lage Emotionen rauszunehmen
  • Unternehmen in schwierigen Märkten neigen zu hohem Risiko

Der “Vice President of Common Sense” könnte diese Einflussfaktoren mit einem Schlag aus dem Spiel nehmen.
Macht eine Entscheidung keinen Sinn, wird sie abgelehnt. Ist ein Vertrag zu hoch dotiert, wird er nicht abgeschlossen. Ist ein Spieler talentiert, aber menschlich untragbar, wird er nicht ins Team geholt. Es lebe der gesunde Menschenverstand.

Wo ist der Bezug zum Projektmanagement?

In großen IT Projekten gibt es die gleichen Einflussfaktoren, wie oben beschrieben: Zeitlicher- und finanzieller Aufwand werden häufig unterschätzt und die eigenen Fähigkeiten überschätzt. Alle Projektbeteiligten – vom einfachen Mitarbeiter über den Projektleiter oder Manager, bis hin zum Eigentümer, Kunden oder Lieferanten – verfolgen unterschiedliche Interessen. Sie sind persönlich, bzw. finanziell, involviert und deshalb voreingenommen. Abhängigkeiten und Zusagen machen die Sache auch nicht leichter. Und je höher der Druck, desto größer die Risikobereitschaft. Wie oft hört man den Satz: “Jetzt können wir das Projekt nicht mehr stoppen”.

Das ist der Punkt, an dem der “Vice President of Common Sense” ins Spiel kommt.

Vice President of Common Sense

Der “Vice President of Common Sense” ist nicht direkt in die Projektarbeit involviert oder von deren Ergebnis abhängig, er hat Abstand zum Tagesgeschäft und ist deshalb nicht durch Beziehungen oder Abhängigkeiten kompromittiert.
Er wird schon zu Projektbeginn einbezogen, er kann Projekte ablehnen oder im Projektverlauf jeder Zeit stoppen. Er erinnert das Projektteam immer wieder daran, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Der “Vice President of Common Sense” ist nur dem gesunden Menschenverstand verpflichtet.
Da Projekte und Entscheidungen im IT Umfeld zum Teil sehr komplex und für Außenstehende schwer zu verstehen sind, kommen für diese Position natürlich nur selten “der Mann in Ohio” (Cowherd) oder die Schwiegermutter in Frage, d. h die Besetzung einer solchen Position gestaltet sich unter Umständen etwas schwierig.
Der “Vice President of Common Sense” sollte über genug technisches Know-How und Projekterfahrung, ein gesundes Selbstbewusstsein,  Durchsetzungsvermögen und Stressresistenz verfügen. Ein branchenübergreifendes Interesse an Projekten, Prozessen und Organisation sind sicher von Vorteil.

Kurz gesagt, der ”Vice President of Common Sense”sollte hochqualifiziert und interessiert sein. Ein Mitarbeiter, wie ihn jeder gerne hätte.

Danke Colin Cowherd!

Das  Video zum besprochenen Beitrag findet ihr unter diesem Link:  https://youtu.be/LC1JELyn86c.

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